Sächsische Bandweberei setzt auf leuchtende Hightech-Produkte

Sächsische Bandweberei setzt auf leuchtende Hightech-Produkte

a) Wanka bei RAMMER: Die Rammer-Geschäftsführer Christian Schwarze (l.) und Annekathrin Schwarze (4. v. l.) begleiteten Ministerin Wanka (3. v. l.) beim Rundgang durch die Bandweberei.


Bundesforschungsministerin Johanna Wanka besuchte F. J. Rammer GmbH in Ohorn / vti sieht Branche im Aufwind

Die traditionsreiche Oberlausitzer Bandweberei F. J. Rammer GmbH, Ohorn, entwickelt und produziert bereits seit mehr als zehn Jahren textile Hightech-Produkte. Seit Jahresbeginn 2017 wirkt das Unternehmen in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Innovativen Regionalen Wachstumskern „Tailored Optical Fibres“ (Maßgeschneiderte Optische Fasern) mit, dem 18 Firmen und Forschungsinstitute aus Sachsen und Thüringen angehören.  Das Management obliegt dem Optonet e. V., Jena. F. J Rammer untersucht in Kooperation mit der ITP Gesellschaft für Innovative Textile Produkte GmbH, Chemnitz/Weimar, und weiterer Partner das Verhalten leuchtender Bandgewebe, die unter Verwendung gleichmäßig abstrahlender optischer Fasern entstehen. Ziel ist der Einsatz derartiger innovativer Gewebe im Innenraum von Fahrzeugen sowie für medizinische Anwendungen in der Lichttherapie (siehe: http://tailored-optical-fibers.net/).  Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU) informierte sich am 17. August 2017 bei einem Besuch in dem seit rund 200 Jahren existierenden Lausitzer Familienunternehmen zum Stand der bis 2019 konzipierten Projektarbeiten. Sie folgte der Einladung der in der Region agierenden CDU-Bundestagsabgeordneten Maria Michalk. Die Politikerinnen wurden begleitet von Roland Ermer, CDU-Kandidat für die bevorstehende Bundestagswahl, Udo Witschas, Vize-Landrat des Landkreises Bautzen, und Dr. Peter Werkstätter, Geschäftsführer des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. (vti), Chemnitz.

Bei einem Rundgang durch die Produktion erläuterte Geschäftsführerin Annekathrin Schwarze den Gästen, worauf es bei der Herstellung von Hightech-Bändern ankommt. Beispielsweise hatte die Firma im Rahmen eines der jüngsten Forschungs- und Entwicklungsprojekte selbstleuchtende Bänder zur Marktreife gebracht. „Die dafür verwendeten phosphoreszierenden Garne nehmen natürliche oder künstliche Lichtenergie auf und geben diese bei anschließender Dunkelheit über einen Zeitraum von bis zu fünf Stunden in Form eines deutlich wahrnehmbaren Leuchtens wieder ab“, so Annekathrin Schwarze. Die Bänder bieten sich an für den Einsatz in Objekten und Verkehrsmitteln sowie als Besatzmaterial für Rucksäcke, Schultaschen sowie für Schutz- und Sicherheitsbekleidung.  Außerdem entstehen bei Rammer intelligente Bänder (Smart Textiles) mit sensorischen Fähigkeiten. „Dank der darin verarbeiteten leitfähigen Garne können wir vergleichsweise kostengünstig Temperaturen beziehungsweise die Strahlungswärme auf größeren Flächen zuverlässig bestimmen. Mit Halbleitersensoren sind derartige Messungen nur punktuell möglich“, erläutert Klaus Richter vom  Entwicklungspartner ITP GmbH: „Die sensorischen Bänder eignen sich auch zur Bestimmung des Feuchtegehalts in ihrer unmittelbaren Umgebung. Das ist insbesondere für Anwender im Fahrzeug-, Flugzeug- und Schiffbau interessant, die Aufschluss darüber gewinnen wollen, wo sich Kondenswasser sammelt oder nicht gewünschte Feuchtigkeit bildet.“ Auch als Bestandteil von beheizbarer Outdoor-Bekleidung oder von Medizin- und Gesundheitstextilien können die sensorischen Bänder wichtige Daten liefern.

Zum Rammer-Sortiment gehören gewebte und gewirkte elastische und unelastische Bänder und Gurte aus natürlichen und synthetischen Materialien. Sie werden – je nach Kundenbedarf – mit eigener Ausrüstungstechnik gefärbt, veredelt und thermofixiert. Dadurch erlangen sie Eigenschaften wie schrumpfarm, wasserabweisend, antistatisch sowie fäulnis- und flammhemmend. Die Bänder werden zudem kundenspezifisch konfektioniert. Annekathrin Schwarze führt gemeinsam mit Bruder Christian Schwarze und Cousine Franziska Hennersdorf das Familienunternehmen in sechster Generation. Ihr Vorfahr Friedrich Joseph Rammer hatte die Bandweberei im Jahr 1815 gegründet. Zu den Stärken gehören seit jeher Entwicklung und Pflege einer fachlich versierten Stammbelegschaft. Gegenwärtig sind in den beiden Betriebsteilen in Ohorn und Großröhrsdorf 55 Mitarbeiter, davon drei Auszubildende, tätig. vti-Geschäftsführer Dr. Peter Werkstätter würdigte den Innovationsgeist, der bei F. J. Rammer in teilweise noch historischer baulicher Hülle herrsche: „Das Unternehmen tut genau das Richtige. Es setzt auf Zukunftsprodukte und nutzt zu deren Entwicklung Förderprogramme von Bund und Land. Mittlerweile verfügt die Firma unter anderem über Erfahrungen bei der Verarbeitung von Glasfasermaterial für Hitzeschutzbänder sowie bei der Verarbeitung von Basaltfaserprodukten zu Endlosbändern, die in Heizaggregaten zum Einsatz kommen. Eine ähnlich erfreuliche Entwicklung verzeichnen wir auch in den anderen Unternehmen der Lausitzer Textilregion.“

Die in der Lausitzer Textilregion im Dreieck zwischen Guben, Pulsnitz und Zittau ansässigen 62 mittelständischen Firmen erreichten 2016 einen Umsatz von weit über 300 Mio. EUR. Das entspricht gegenüber 2015 einem Plus von rund vier Prozent. Ein Drittel davon resultiert aus dem Export. Die rund 3.500 Beschäftigten der Lausitzer Textilbranche produzieren neben technischen Gurten und Bändern feine Damaste, hochwertige Frottierwaren, Leinengewebe, Schmuckbänder, intelligente Etiketten (Smart Labels), Stoffe für Schutzbekleidungen sowie für Schuhe und Markisen, modische Bodywear, Wollgarne sowie Hygiene- und Bautextilien. Die Anfänge der Westlausitzer Bandweberei reichen bis ins 17. Jh. zurück. Gegenwärtig gibt es in Bretnig-Hauswalde, Großröhrsdorf, Ohorn und Pulsnitz insgesamt sechs Firmen dieses Genres.

Ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie legte im 1. Halbjahr 2017 deutlich zu

In der ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie arbeiten 16.000 Menschen, davon 12.000 in Sachsen und 2.500 in Thüringen, in rund 350 Unternehmen und sechs Textilforschungsinstituten. 2016 belief sich der Gesamtumsatz auf 1,82 Mrd. EUR; 36 Prozent davon kamen aus dem Export. Im ersten Halbjahr 2017 setzte sich diese positive Entwicklung fort. Der Gesamtumsatz stieg um mehr als 4 Prozent; der Exportzuwachs betrug 11 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten stieg um reichlich 2 Prozent (ca. 300).  Die Branche erwirtschaftet mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit der Herstellung Technischer Textilien; rund 30 Prozent entfallen auf Heimtextilien und knapp 20 Prozent auf Bekleidung. Der ostdeutsche Branchenverband vti vereint 180 Textil- und Bekleidungsfirmen.

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