Gibt es weibliche Augen und männliche?

Gibt es weibliche Augen und männliche?

Fotografieren Frauen anders als Männer?

Beim Herumstöbern in einem Zeitschriftenhandel habe ich die Fotofachzeitschrift ,,Camerawoman“, die sich speziell an fotografierende Frauen wendet, entdeckt. Entgegen meiner Erwartungen habe ich die Zeitschrift bei den Frauen- und Lifestylemagazinen gefunden anstatt bei den anderen Fotofachzeitschriften. Eine clevere Marketingidee der Herausgeber, die Zeitschrift dort zu platzieren, wo eine größere Menge an Frauen auf die ,,Camerawoman“ aufmerksam werden! Auch im Internet wächst die Anzahl der Portale für Fotografinnen.

Die Fragen, die sich mir stellen, sind: ,,Fotografieren Frauen wirklich anders als Männer? Oder wird dieser geschlechtsspezifische Unterschied nur gemacht, um eine Marktlücke zu füllen? Müssen Frauen als Neueinsteiger anders an das Thema Fotografie herangeführt werden als Männer?“

Verhältnismäßig habe ich selbst mit mehr Männern geshootet als mit Frauen und auch in Facebookgruppen und Fotografieportalen überwiegt die Anzahl an männlichen Fotografierenden, die ihre Fotos dort zur Schau stellen. So scheint es mir, als wäre die Fotografie auch heute noch überwiegend eine Männerdomäne… Aber eben nicht ausschließlich! So wie der Frauenanteil in allen beruflichen Sparten steigt, wächst er auch in der Fotografie.

Während zu Zeiten der Analagfotografie der Familienvater hauptsächlich fotografierte, sehen Frauen heute nicht mehr einzig und allein ihre Aufgabe darin, sich um die Fotoalben zu kümmern. Frauen jeder Altersstufe avancieren zu eifrigen Bildmachern und haben schon lange nicht mehr ausschließlich ihre Kinder vor der Linse, sondern jedes erdenkbare Fotoobjekt. Oft zu beobachten ist, dass Frauen im Gegensatz zu Männern schon im früheren Alter die Fotografie erkunden. Das fängt schon damit an, dass Teenagerinnen sich gegenseitig fotografieren, um aktuelle und schicke Bilder von sich auf Socialmediaplattformen zu veröffentlichen.

 

Aber fotografieren Frauen nun anders als Männer? 

Wenn ich die Ergebnisse meiner Shootings mit Fotografen und Fotografinnen vergleiche, kann ich anhand der Endresultate keinen geschlechtsspezifischen Unterschied feststellen. Die Unterschiede klassifizieren sich durch die Individualität der Fotografen. Der eine mag es eher romantisch und verspielt, der andere erotisch, manch anderer witzig und wiederum andere markant. Ich kann nicht sagen, dass das ein oder andere Motiv eher von Frauen geshootet wird als von Männern. Ich könnte eher behaupten, dass die unterschiedlichen Generationen, Erfahrungen, Weltbilder der Fotografierenden sie beeinflussen. Umso intensiver sie sich mit der Fotografie auseinandersetzen, umso mehr reift in den Fotografen eine eigene Bildsprache, die sie unverkennbar macht. Und ich denke, dass an diesem Punkt alle ankommen möchten, um heutzutage nicht in der Massenflut an Bildern unterzugehen, sondern um sich abzuheben.

 

Was ist dann der Unterschied? Das Fotomagazin ,,Camerawoman“ wirbt selbst damit, dass es in der Zeitschrift weniger um Technik und mehr um Gestaltung gehe. Dort ständen Bilder, die von Frauen gemacht worden sind, im Mittelpunkt. Eines, das eher wie ein Lifestylemagazin und nicht wie ein klassisches Fotomagazin daherkommt.

Impliziert diese Aussage, dass Frauen also lieber mit Können als mit Technik überzeugen und Männer umgekehrt?

Ich habe noch keine Fotografin erlebt, die mit einer kleinen Digitalknipse zum Shooting gekommen ist. Ganz im Gegenteil, Frauen (professionelle – sowie Hobbyfotografinnen) sind ebenfalls mit kompakten System- und Spiegelreflexkameras ausgestattet. Ich habe auch noch keine Fotografin erlebt, die die Technik hinter ihrem Handwerk nicht verstanden hat, um an das Sprichwort ,,Frauen und Technik“ zu appellieren. Ich denke, dass auch dies keine Frage des Geschlechts ist. Es gibt Menschen, die interessieren sich mehr für Technik und andere wenden sie an, ohne über detaillierte Hintergrundinformationen zu verfügen.

Das einzige, was mir auffällt, ist, dass mir noch keine Frau unter die Nase gerieben hat, wie sie gleich technisch arbeiten wird, damit ich wie auf dem Foto wirke. Einige Fotografen hingegen haben mir gerne von sich aus erklärt, wie sie die Belichtungszeit oder Iso einstellen, wie sie jetzt gleich technisch vorgehen werden und was ihre Kamera alles kann. Aber eben nicht alle Fotografen!

In Hinblick auf die Frage, ob Frauen anders fotografieren als Männer, kann ich nur einen großen Unterschied machen.

Wenn ich nach einem Fotoshooting von unseren 500 Bildern, die wir geshootet haben, die Fotografin auswählen lasse, ist die Chance sehr hoch, dass sie mir auch gefallen. Ich habe noch keine Fotografin erlebt, die mir Bilder geschickt hat, auf denen ich ,,mich nicht sehe“. Meines Erachtens sehen sie mich aus der Perspektive einer Frau, wie ich mich selbst gern sehen möchte. Vorteilhafte Perspektive, um möglichst schlank auszusehen und um das runde Gesicht zu kaschieren, anmutiger Gesichtsausdruck, geöffnete Augen, lächelnd oder geschlossene Augen.

Tue ich dasselbe bei Männern, bekomme ich immer wieder Motive, die ich mir selbst niemals ausgesucht hätte. Das beste Beispiel ist der verruchte Blick, mit halb geschlossenen Augen, halboffenem Mund, in einer Perspektive, wo ich nicht immer schlank wirke, aber dafür sehr weiblich, unvorteilhafte Fingerführung, rundes Gesicht und sinnlich in Aktion.

Deswegen freue ich mich immer wieder darauf, mit Frauen zu shooten. Nicht nur weil ich es toll finde, wenn Frauen sich mit Technik beschäftigen und in dieser Leidenschaft voll und ganz aufgehen, sondern auch, weil ich weiß, dass ich viele brauchbare Fotos dazu gewinnen werde.

Neulich habe ich mit der lieben, hauptberuflichen Fotografin Mimioza in den wundervollen Kleidern von Joseph Ribkoff geshootet. Mimioza ist so engagiert, sodass sie für unser Shooting eine besondere Location herausgesucht hat und eine professionelle Visa, die mich in einem Nude-Look geschminkt hat.

Diese besondere Location ist der Sportsaal in Berlin gewesen. Die erschaffene Atmosphäre dort ist einzigartig. Sowohl Lounge mit Bar, als auch der Trainingsbereich versprühen den Charme der zwanziger Jahre. Sauna, Solarium, ein Wohnzimmer, Kronleuchter, Geckos, Außentrainingsbereich und Sonnenterrasse sind nur einige Highlights. Der ideale Ort für ein Shooting in den graziösen und exzellenten Kleidern von Joseph Ribkoff.

Fotografin: Mimoza Veliu

www.mimoza-photography.de

Visa: Jana Rohland

Instagram: @magicmakeupwoman

Kleider: Joseph Ribkoff

Sportsaal

https://sportsaal.com/