DMI Bericht • CPD – Ordermesse Düsseldorf – REVIEW – Fashion Talk

DMI Bericht • CPD – Ordermesse Düsseldorf – REVIEW – Fashion Talk

Begeisterung ja, aber Kaufzurückhaltung – Deutschland ist ein schwieriger Markt

In Düsseldorf gingen am vergangenen Wochenende die Kollektions-Präsentationen für S/S 18 in die zweite Runde. Nach den ersten Inspirationen in Berlin trafen sich internationale Einkäufer von Freitag bis Montag auf den Messeplattformen der CPD Gallery in den Böhlerwerken, der SUPREME – die ihr zehntes Jubiläum in Düsseldorf feierte – sowie den zahlreichen Showrooms zur Order. Während in Berlin marketingwirksam Kollektions-Previews und Highlights präsentiert wurden, standen hier die kompletten Kollektionen bereit und waren um die Hochsommer-Liefertermine ergänzt.

Sich für die veränderten Marktverhältnisse und Ansprüche der Konsumenten attraktiv aufzustellen, äußert sich insbesondere in überwiegend komprimierten und auf die Authentizität der Marke fokussierenden Sortimenten. Trendorientierte Styles, neue Silhouetten und innovative Materialentwicklungen, die Produzenten sind in punkto Entwicklung in die Tiefe, nicht in die Breite gegangen, haben Spitzen herausgearbeitet. Und das wird gut angenommen. „Der Preis ist nicht das Problem.“ In Düsseldorf ist das hochwertige Genre gefragt, nicht Mainstream.

Überraschung wird reichlich geboten, Modernität, Innovation und exklusive Produkte. „Die Produkte sind toll, die Einkäufer begeistert, aber viele trauen sich dennoch nicht“, wird von einigen Ausstellern beklagt, Händler gingen immer noch zu sehr auf Sicherheit, gingen „nicht mit offenen Augen“ über die Messe. Zudem seien die Budgets meist schon aufgeteilt.

Die Individualisierung im Handel finde noch zu wenig statt. Das Risiko, dass sich die „Überraschungs-Teile“ nicht verkauften, sei für kleinere Händler finanziell zu groß. Man schaue zu sehr nach den „Platzhirschen“. Es funktioniert heute nicht mehr, der Masse hinterherzulaufen. Nicht zuletzt darum gewinnen kleine Labels und Newcomer an Bedeutung.

Visibilität und Emotionalität

In einem übersättigten Markt werde auch zu wenig auf Emotionen geachtet. Der Handel – der Einkäufer – habe das Verkaufen, das Beraten verlernt. Natürlich sei es nicht einfach etwas Neues zu verkaufen, aber man suche den einfachen Weg. Bei den mittelständischen Unternehmen sei das anders, die setzten sich mehr damit auseinander, hier sei Beratung, Emotionalität, wichtig.

Kathrin Brüning von Soul Kathrine zum Beispiel setzt auf individuelles Design in limitierter Auflage und die Kooperation mit internationalen Künstlern. Neue Teile aus alten Stoffen, aus Asien und Südamerika, lässt sie regional weiterverarbeiten. So entstehen außergewöhnliche Stücke – vom Kissen über Taschen und Schmuck bis zum Kleid – Einzelstücke oder bis zu maximal 100 Teile pro Style. Ihre Fans hat sie – wie auch Veröffentlichungen in relevanten Fashion-Magazinen.

Bei Miss Goodlife verkauft man den handbestickten Sonnenschirm gleich mit der Kollektion – darunter dann 2 Gartenstühle und ein Tisch – da werden Emotionen angesprochen. Wie mit dem farbenfrohen Parka im Mutter & Kind-Partnerlook, der gehört hier zu den Bestsellern.

Bei Laurèl funktioniert am besten was „eine tolle Figur macht“ – Jerseykleider, Super-Easy- Kleider, lange Röcke und verkürzte weite Hosen, Volants.

„Wer heute nicht auf neueste Technologie setzt, hat den Zug der Zukunft verpasst“

Kleider, Kleider , Kleider sind für den Sommer 2018 bei Marc Cain gefragt.  Das Unternehmen ist gut – und breit – aufgestellt: technologisch innovativ und auf dem neuesten Stand, mit deutlicher Design-Handschrift und Konsequenz, zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar – in eigenen Stores, im Webstore, bei Multibrand-Stores, Omnichannel – der Erwartungshaltung der Kunden gerecht. Und jetzt gibt`s den passenden Duft dazu – in drei unterschiedlichen Noten. Emotionalisierung, Qualität, Verfügbarkeit und technologischer Fortschritt sind die Zutaten des Erfolgsrezepts für Zukunftssicherheit.

Beratung ist der entscheidende Pluspunkt

„Die Vogel Strauß-Mentalität“ hilft nicht weiter. 

„Was erwarten wir von unseren Endverbrauchern, die wahren Massen gegenüberstehen?“ Ja, der Kunde braucht Neuheiten. Aber: Wenn da keiner ist der die Kunden abholt… „Viele vergessen, dass die Kaufentscheidung im Geschäft liegt.“„Bei 200 Jeansvarianten ist die Erklärung wichtig – die Selektion wichtig“, erklärt man bei Zanella. Die konfektionierten Hosen bieten eine hervorragende Qualität und Top-Passform, Herren-Denims zudem individualisierbare Zutaten wie Nieten, Badges und Ledertags. Das würde sehr gut angenommen. Am Bügel wirken die vielleicht nicht, aber man müsse die Ware einmal angezogen haben – und dann sei die Kaufentscheidung schnell gefallen. Denn: „Die Verkäufer entscheiden meist darüber, was der Endverbraucher kauft“. Diese Position könne nicht hoch genug eingestuft werden. „Es gibt Teile, die haben keinen Bügel-Sex“ – sehen aber angezogen traumhaft aus!

„Alle lästern über Online, aber wo ist denn der Unterschied zu einem Laden wo mich keiner bedient?“

Eine gute Fachberatung ist heute das A&O im inhabergeführten Einzelhandel. Die, die modern aufgestellt sind, lassen sich da was einfallen – und die sind auch gut aufgestellt. „So können auch schnell mal drei Einzelteile zu einer tollen Kombination werden.“

Service gehe heute soweit, dass man „für die Kundin ordert, sie dann anruft und so in den Laden holt, ihr das Gefühl gibt „man kümmert sich persönlich um mich“.  Das habe etwas mit Wertschätzung zu tun. Und die fehlt heute im Zeitalter von Massenmarkt, von Online-Bestellungen mit Vielfachen–Retouren.

Es kauften ja schließlich nicht alle für „nur einmal anziehen“. Dafür gebe es den entsprechenden Billigmarkt.

Um den Verkäufern die Produkte zu vermitteln, laden einige Produzenten sie zu Coachings ein, lassen sie auch mal selbst an der Kollektion „arbeiten“. Da kämen oft spannende Ergebnisse heraus – das helfe nicht nur den Verkäufern.

Individuelle Trend-Interpretationen

Die Trendthemen, die das Deutsche Mode-Institut für den Sommer 2018 definiert hatte, finden sich in den gezeigten Kollektionen wieder – mit unterschiedlichsten Handschriften. Hier findet die Individualisierung statt.

SUPER VISUAL – Starke Farben, plakative Muster und üppige Dekoration – Ideenreichtum und Kreativität überbieten sich geradezu. Knalliges Pink, leuchtendes Gelb, brillantes Blau und frisches Grün – bis hin zu Neon-Variationen – für Blusen, Kleider und selbst Hosen. Leuchtend bunte Drucke und Stickereien mit Tropical Flowers, Flamingos, Leoparden oder Fischen. Ferne Kulturen und karibische Inseln lieferten reichlich Inspiration für fantasievolle Muster. Handwerkliche Aspekte fließen hier ebenso mit ein wie im Trendthema MULTI NATURAL: Ein globaler Multi-Ethno-Mix, folkloristische Anklänge, Denim in allen Auswaschungen – collagierte Stoffe und Styles. Volants und romantische Referenzen werden ebenso neu übersetzt wie maritime Streifen.

Superweite Hosen haben maskuline Inspiration, großvolumige Hemden mit überlangen Manschetten werden bis hin zum entspannten Hemdblusenkleid mit Bindegürtel durchdekliniert. Selbstbewusst feminin punkten Shirts mit Ärmel-Volants und asymmetrisch über die Schulter fallenden Dekolletés. Weite Hosen im Pyjamastyle spielen mit Farbe und Mustern. Ein Key Piece ist auch der Kimono.

Leinen spielt eine wichtige Rolle bei leichten Sommer-Hosenanzügen. Auch der Menswear – mit neuen Strukturen, Streifen und Checks. Ethno-inspirierter Schmuck und geflochtene Strohhüte sind genderübergreifend beliebt.

SENSIBLE MODERN wird durch neue Volumen und Silhouetten mit dekonstruiert wirkenden Schnitten inszeniert, mit klaren Konturen und raffinierten Details. Materialien spielen mit glatten und strukturierten Optiken. Leichtigkeit wird durch zurückhaltende Unis transportiert : allen voran Weiß, Weiß zu Schwarz und Pastelltöne. Die prägen auch einen entspannten Couture Chic – und sind beliebt für kurze Jäckchen aus Sommertweeds. In der Menswear sorgen lichte Grautöne – in Kombination mit Rosétönen – für Neuheit.

TRANS ACTIVE steht für Athleisure und Sport Spirit, urban interpretiert. Einer der Haupttrends der Saison. Hightech-Materialien oder typische Details wie Galonstreifen und Ringelbündchen, Tunnelzüge und Funktions-Details sind die Zutaten der neuen Hybride. Neben dem Blouson, der jetzt in sämtlichen Trendthemen umgesetzt wird, gilt der Parka als Allroundtalent – von ultraleicht aus Nylon bis hin zum khakifarbenen Army-inspirierten Modell. Street-Attitüde zeigt sich durch individuelle Statements und abstrakte Art-Paints.

Sneakers sind so variantenreich wie nie und haben sich themenübergreifend in die Styles integriert – sei es um feine Spitzenkleidchen zu erden oder Selbstverständlichkeit in die neuen XL-Silhouetten zu bringen.

DMI Bericht mit Imagebildern