Comeback der BBB – so soll es aussehen • Frank B. Halfar

Comeback der BBB – so soll es aussehen • Frank B. Halfar

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Comeback der BBB – so soll es aussehen

Die bread and butter hat in einer Pressemitteilung ihre Pläne für den Relaunch veröffentlicht. Dabei ist eine bemerkenswerte Abkehr von gleich mehreren Grundsätzen ihres bisherigen Geschäftsgebarens festzustellen.

Der gewichtigste Punkt ist dabei die Finanzierung, die von Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff garantiert sei, die BBB „findet auf jeden Fall statt“, so heißt es. Etwas wolkig wird von einem „family office“ gesprochen, welches man für finanzielle Unterstützung habe gewinnen können. Ein externer Finanzier also?

Erste Veränderung gegenüber den bisher publizierten Plänen ist das Datum, nun will man doch gemeinsam mit den anderen Messen vom 7. bis zum 9. Juli 2015 veranstalten. Der letzte Plan sprach noch von einem einige Tage früheren Zeitpunkt, wobei man plötzliche Kehrtwenden seitens der BBB allmählich gewohnt ist.

Während die bisherigen Areas beibehalten werden sollen, kommt nach dem neuen Konzept ein ganzer Hangar für „Design & Agents“ hinzu. Vergegenwärtigt man sich, dass diese Zielgruppe bislang mit einem Eintrittspreis von 500€ eher abgeschreckt als angesprochen wurde, so wird das Ausmaß der Abkehr von der bisherigen Praxis plastisch.

Nächste Neuerung: für „Start-Ups“ wird eine kostenlose Messepräsenz angeboten. Dies soll nicht nur Gründer und junge Anbieter aus den Bereichen Mode und Design, sondern auch „Sports, Beauty, Health & Wellbeing, Living, Food, Mobility, Online Communication, and Business Innovation“ umfassen. Die BBB als „Free for all“? Über die oft reichlich harsche Kuratierung, mitsamt den mittlerweile legendären „blauen Briefen“, durch die etliche Marken ausgeladen worden waren, weil sie nicht ins Gesamtbild passten, ist oft genug geredet und auch gespottet worden. Was diesen neuen Bereich angeht, so kann man den Machern nur eine gute Hand bei der Auswahl wünschen, der Pressetext spricht von einem „Kuratorium“, welches hierfür zuständig sei.

Und für Aussteller gibt es einen „early bird“ Sonderpreis bei früher Buchung bis zum 15. April. Bei der BBB, einstmals exklusiver Hochpreis Standort mit strenger Selektion! Im Grunde ist die schiere Veröffentlichung der Standpreise keine weniger radikale Abkehr vom gewohnten Gebaren: bisher streng gehütetes Geschäftsgeheimnis, jetzt für jeden offengelegt: der Stand bei der BBB kostet jetzt 249 € per Quadratmeter regulär, 149 € für die Frühbucher.

Als langjähriger Besucher und journalistischer Begleiter der BBB will man fast nach Luft schnappen ob so vieler und so heftiger Neuerungen. Zumindest kann niemand sagen, das Management unter Karl-Heinz Müller und nicht zuletzt seinem Insolvenzverwalter würde es nicht mit einem wirklich neuen Ansatz versuchen. Vielleicht der bemerkenswerteste Halbsatz des an Anlässen für hochgezogene Augenbrauen nicht eben armen Elaborats ist derjenige, der vom Wiedergewinnen des Vertrauens der Aussteller und der Community spricht. Ein Vertrauen, das demnach verloren gegangen ist. Nach der Absage im Januar, nach der Insolvenz dürfte das kaum übertrieben sein. Ob und inwieweit dieses Vertrauen zurückgewonnen werden kann, ist die Kernfrage dieser neuesten Volte der BBB.

Bevor wir es vergessen: der Zugang zur BBB soll „selbstverständlich“ mit einem Pass der anderen Berliner Messen möglich sein. Ja, die Rede ist wirklich immer noch von der BBB, der ehemaligen Trade Show mit langen Schlangen vor den Akkreditierungs Schaltern, mitsamt verzweifelt argumentierenden Interessenten, deren Berechtigung in Zweifel gezogen wurde.

Also: eine völlig neue BBB, „new and improved“. Und preiswerter, zugänglicher, gründlich erweitert. Ob es funktionieren wird? Nach den Entwicklungen des letzten Jahres wagt man kaum noch eine Prognose. Jedenfalls wissen wir jetzt, wie der Relaunch angegangen wird. Eine wieder florierende BBB wäre Berlin als Messestandort nur zu wünschen. Der Erfolg oder die nächste Umkehr und Absage – was immer zu berichten sein wird, wir verfolgen es mit erneuter Spannung.

Frank B. Halfar für europefashion berlin